Hier entsteht ein kleines "Tagebuch"
unserer Nordkap-Tour 2025

Skandinavienkarte

Unsere Runde durch Skandinavien


2025

Nordkap - der Weg ist das Ziel


von Dieter Lubenow

Freitag, 4. Juli 2025
"Ich war noch niemals auf Hawaii" - aber auch noch nicht am Nordkap. Vielleicht klappt es ja dieses Jahr? Kurz bevor es losgehen soll, schiebe ich meine BMW GS 80 aus der Garage, um die Alukoffer anzuschrauben. Eine Spur aus Öltropfen ziert danach den Weg ins Freie. Mein erster Blick fällt auf die Stelle, an der die Bremsleitung der Vorderradbremse neben dem Faltenbalg des rechten Standrohres im vorderen Kotflügel verschwindet. Dort tropft Öl herunter. Eine defekte Bremsleitung zwei Tage vor Abfahrt wäre jetzt äußerst unangenehm. Zu allem Überfluss ist es auch noch Freitagnachmittag - ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt für einen Werkstattbesuch. Da kann nur noch der Motorradspezialist Heinz Bals helfen, der schon des öfteren einen meiner Motorradurlaube durch Versenden von Ersatzteilen in "alle Welt" gerettet hat.
Vorher mache ich allerdings im Stand noch ein paar Bremsproben mit der Vorderradbremse. Als ich so auf dem Motorrad sitze, wundere ich mich, dass ich nur mit den Fußspitzen auf den Boden komme. Na ja, im Alter schrumpft man wohl ein wenig. Eigentlich funktioniert alles und auch die Gabel taucht beim Wippen entsprechend tief ein. Aber da ist das Problem. Aus den Lüftungslöchern der Faltenbälge quillt bei jedem Eintauchen der Gabel Öl heraus, läuft auf die Kante des Kotflügels und tropft auf den Boden. Also ist es Gabelöl und kein Bremsöl. Das ist auch nicht besser! Die GS 80 war kürzlich erst bei Heinz Bals zur "Erholung", inklusive dem Wechsel aller Flüssigkeiten. Kurzer Anruf beim ihm: "Muss ich mir da Gedanken machen?" "Ja, solltest Du. Komm noch her, wir schauen mal."
Ich mache mich sofort auf den Weg nach Päpinghausen. Heinz verschiebt mal wieder seinen Feierabend nach hinten und schaut sich die Gabel aus der Nähe an. Aus den besagten Löchern in den Faltenbälgen kommt inzwischen kein Öl mehr heraus. Heinz löst die Schellen der Bälge, um sich die Simmeringe der Gabel anzuschauen. Sieht eigentlich o.k. aus. Auch beim kräftigen Einfedern der Gabel bleibt alles trocken. "Vielleicht war ein Fingerhut zu viel Öl in der Gabel. Beim Ablassen bekommt man manchmal nicht das komplette alte Öl heraus. Dann baut sich ein Druck auf und der sucht sich seinen Weg nach draußen", meint Heinz. Ich bin erst mal beruhigt, bekomme vorsichtshalber noch neue Simmeringe und einen Viertel Liter Gabelöl für unterwegs mit und verabschiede mich mal wieder mit einem großen Dankeschön. So haben wenigstens die neuen Reifen schon mal die ersten Kilometer hinter sich gebracht.

Samstag, 5. Juli 2025
Am Samstag startet Connys Flieger von Düsseldorf aus nach Teneriffa. Leider kann man sich auf die Bundesbahn nicht hundertprozentig verlassen. Also bringe ich sie vorsichtshalber mit dem Auto zum Flughafen. Auf dem Weg nach Hause sucht sich das Navi mal wieder einen anderen Weg, als bei der Hinfahrt. Ich freue mich schon über eine entspannte Fahrt ohne die Staus, die wir auf dem Hinweg auf der Gegenfahrbahn gesehen haben. Als dann aber der Wechsel auf die Autobahn in Richtung Münster ansteht, ist plötzlich diese Richtung komplett gesperrt. Letztendlich lande ich auf der Autobahn 2 in Richtung Hannover, fahre in Rheda Wiedenbrück ab und über Gütersloh nach Hause. Jetzt schnell noch im Garten ein paar Blaubeeren pflücken, dann wird es aber Zeit, die Motorrad-Packtaschen zu füllen.

Sonntag, 6. Juli 2025
Sonntagmorgen klingelt der Wecker um 6 Uhr. Die Packtaschen sind gut gefüllt - u.a. sind auch ein Lichtmaschinenanker, ein Anlassermotor, Ersatzschläuche, Bowdenzüge, Reifenspray … und natürlich eine Rolle Tape mit dabei. Die zweite Packtasche nimmt den Koffer mit den täglichen Sachen, Waschzeug und Wechselwäsche auf. Im Tankrucksack ist die Elektronik wie Fotoapparat, Actioncam, Ladekabel usw. untergebracht. Im Packsack stecken Unterlegmatte, Schlafsack, Ersatzwäsche und -handschuhe, Regenkombi, Schuhe, Duschlatschen, Goldwaschpfanne usw. Das genaue Gesamtgewicht möchte ich gar nicht wissen. Jedenfalls komme ich jetzt mit den Füßen wieder viel besser auf den Boden, wenn ich auf dem vollbeladenen Motorrad sitze.
Für Hamburg sind an diesem Wochenende mehrere Veranstaltungen mit jeweils über 100.000 Zuschauern angesagt. Zudem ist der Elbtunnel gesperrt - das könnte voll werden auf den Autobahnen rund um Hamburg.
Eine halbe Stunde später stehe ich bei Michael vor der Tür. Wir starten von ihm aus in Richtung Hannover, haben aber geplant, Hamburg weiträumig zu umfahren. Ab Soltau-Ost geht es über die 209 in Richtung Lüneburg, dann weiter nach Lauenburg, um über die Elbe zu kommen und steuern dann die Auffahrt der A1 Barkteheide an. Wir kommen tatsächlich ohne Stillstand durch.

Tankstelle

Kurz vor der Fehmarnsundbrücke werden die Tanks noch einmal mit "günstigem" Benzin gefüllt. In Dänemark ist der gute Saft auf jeden Fall teurer als in Deutschland: Super bleifrei 1,93 Euro.
Die Schlange vor dem Kassenhäuschen an der Fähre nach Rodby ist überschaubar. Es geht zügig voran. 85 Euro pro Motorrad mit Fahrer wechseln digital den Besitzer. Erst hatte ich noch vorgehabt, in der Wartespur die Actionkamera ans Motorrad zu montieren, um die Einfahrt auf die Fähre zu filmen. Doch als wir an unserer eigentlichen Warteposition ankommen, werden wir auch schon weitergewunken. Die letzten Autos verlassen gerade die Fähre und wir können sofort hineinfahren.
Das Anbinden der Motorräder mit den bereitgestellten Spanngurten ist immer wieder ein Glücksspiel. Entweder man steht zu weit von der Wand entfernt oder der Gurt ist zu kurz. Da kein Seegang spürbar ist, wird die provisorische Sicherung wohl halten.
Im Bordrestaurant machen wir es uns auf zwei Sesseln gegenüber der Burgerbude gemütlich und beobachten das muntere Treiben der hungrigen Seefahrer. Kurz vor Ankunft im Hafen von Dänemark gibt es noch eine Durchsage, dass die Fähre mit etwas Verspätung anlegen wird. Es hört sich aus dem krächzenden Lautsprecher fast an wie: "... wegen einem Eisberg ...".
Die angekündigte eventuelle Passkontrolle bei der Ausfahrt aus dem Hafengelände findet nicht statt. Es stehen allerdings Grenzbeamte mit wohl geschultem Blick neben der Fahrbahn und beobachten die hinausfahrende Fahrzeugschlange.
Wir sind schnell wieder auf der Autobahn - immer noch bei bestem Wetter. Auf einem Rastplatz machen wir Halt, um die zuhause geschmierten Butterbrote zu verzehren. Vorher hatten wir uns dazu beim Tanken schon mit Kakao eingedeckt. In kleinen, von Hecken abgetrennten sauberen Buchten, machen wir es uns auf der Bank-Tisch-Kombination gemütlich.
Das schöne Wetter hält sich bis ca. 20 Kilometer vor Kopenhagen. Jetzt zieht eine schwarze Wand vor uns auf, die nichts Gutes vermuten lässt, zumal in der Ferne bereits Niederschlagsfahnen bis auf den Horizont reichen. Zunächst schwenkt die Autobahn nach links - oh toll, dann fahren wir links am Regen vorbei. Dann dreht sie nach rechts - auch gut, dann eben rechts vorbei. Von wegen - als wir direkt auf den Schauer zufahren, nützt es nichts mehr. Schnell die nächste Ausfahrt raus und auf dem Seitenstreifen den Regenkombi überstreifen.

KopenhagenCamping

Als wir auf dem Campingplatz "Copenhagen Camping" südlich von Kopenhagen ankommen, ist der Spuk schon wieder vorbei. Für die erste Übernachtung hatte ich per Internet hier eine Transithütte für 705 DKK (Wechselkurs 0,13 = 94 Euro) gebucht. An der Rezeption bekommen wir Magnetkarten, auf denen schon mal pauschal 100 Dänenkronen gespeichert sind. Dusche und Stromverbrauch werden so beim Auschecken davon abgezogen. Als Besonderheit bietet die Hütte in einem kleinen Nebenraum eine eigene Toilette und eine Waschgelegenheit.

Kaninchen

In einem Supermarkt in der Nähe bekommen wir alles, was für ein leckeres Abendbrot nötig ist. Der Platz selber hat kein Geschäft oder Restaurant zu bieten. Dafür aber eine andere Kuriosität: verschiedene Hauskaninchen hoppeln über den Platz und setzen oder legen sich bei dem immer wieder einsetzenden Regen auch mal unter ein Wohnmobil, aber dann liegt plötzlich eines unter Michaels BMW und mümmelt genüsslich an einem trockenen Blatt.
Da wir am nächsten Tag nicht zwingend wieder Autobahn fahren möchten, planen wir noch eine Strecke neben der selben. Mal sehen, wie viele Ortsdurchfahrten so zu durchfahren sind. Als erstes steht laut Plan die Überquerung des Flughafengeländes an, der sich ganz in der Nähe befindet.
Tagesetappe: 617 km

Montag, 7. Juli 2025
Am Montagmorgen ziehe ich sofort den Regenkombi an und wir checken aus. Ich hatte schon befürchtet, dass ich den Restbetrag von den Magnetkarten in bar ausgezahlt bekomme. Die verbleibenden Dänenkronen werden aber tatsächlich auf mein Kreditkartenkonto zurückgebucht.
Die erste fahrerische Aufgabe ist schnell gelöst: man "durchquert" das Flughafengelände mittels einer Unterführung. Dann wird es schon aufwändiger. Die Durchquerung von Kopenhagen steht an. Es ist gefühlt die Stadt mit den meisten Ampeln. Es kostet uns mindestens eine Stunde, bis wir endlich auf der Küstenstraße ankommen, die nicht nur auf der Landkarte so schön anzusehen ist. Sie führt zumindest direkt zum Fährhafen von Helsingør.
Auch hier können wir vom Kassenhäuschen aus direkt auf die Fähre fahren und schon geht die kurze Seereise los (kostet 35 Euro, dauert ca. 20 Minuten). Wir werden von einem jungen Mann aus Schweden angesprochen, der sich für die Motorräder interessiert und von woher wir kommen. Im Gespräch stellt sich heraus, das er sogar "unser" Osnabrücker Bergrennen kennt.
Auf der schwedischen Seite hangeln wir uns rechts und links der Autobahn in Richtung Norden. Bei den vielen Ortsdurchfahrten und Geschwindigkeitsbeschränkungen wird schnell klar: so kommen wir nicht voran.
Mal sehen, ob wir zur Mittagszeit wenigsten satt werden. Was bietet sich da auch in Schweden an? Richtig - in diesem Moment IKEA Helsingborg.

IKEA
Mittagessen

Wir parken direkt neben der Eingangstür und gehen zwei Treppen hinauf ins Restaurant. Leider ist gerade wirklich Mittagszeit. Die Menschen stehen in Viererreihen vor den Essensausgaben. Das wollen wir uns dann doch nicht antun.
Da es auf dieser Einkaufsmeile auch noch andere Verpflegungsmöglichkeiten gibt, landen wir schließlich in einer Art Burger-Restaurant. Im Land der Scheckkartenzahler geht natürlich alles nur noch digital. Speisen am Bildschirm auswählen, mit Karte bezahlen und warten, bis die ausgedruckte Nummer auf der Quittung der Bestellung auf einem Bildschirm über der Essensausgabe erscheint. Jetzt noch das Getränk selber abfüllen und auch alles selber essen.
Bei nächster Gelegenheit wechseln wir doch wieder auf die Autobahn E20 und machen Meter in Richtung Göteborg. Es gibt zwar auch auf der Autobahn immer wieder Hinweisschilder, nach welcher Abfahrt sich Camping- oder Stellplätze befinden, aber direkt nach einer freien Hütte fragen kann man natürlich nicht. Also verlassen wir gegen 18 Uhr die Autobahn und fahren mehr oder weniger parallel auf der 165 weiter. Auf einer Landstraße stehen die Chancen jedenfalls besser, eine Übernachtungsmöglichkeit zu finden.

Turistinfo

In Hällevadsholm fällt Michael bei der Ortsdurchfahrt an einem Tankstellengebäude der Schriftzug "Turistinformation" auf. Hier kann man sich ja mal erkundigen. Michael verschwindet in dem kleinen Tankstellenshop und kommt mit guten Nachrichten zurück. Unsere Hütte für die Nacht befindet sich ganz in der Nähe und den dazugehörigen Schlüssel hat er auch gleich mitgebracht. Die Betreiberin der Tankstelle hat uns eine Hütte des ortsansässigen Fußballvereins für 40 Euro vermietet.

Sportplatz

Auf der gepflegten Sportplatzanlage gibt es auch noch einen Stellplatz für Wohnmobile und fünf Hütten. Dusche und Toilette können wir im Vereinsheim nutzen, deren Türen sich über einen Zahlencode öffnen lassen. Wer möchte, kann sich aber auch in dem angrenzenden Badesee erfrischen.
Tagesetappe: 413 km

Dienstag, 8. Juli 2025
Da wir beim gestrigen Abendbrot die restlichen Vorräte aufgebraucht haben, fehlt uns jetzt ein Frühstück. Nachdem die Hütte gefegt ist, müssen wir ja sowieso noch den Schlüssel in der Tankstelle abgeben. Mal sehen, was das kleine Geschäft sonst noch zu bieten hat. - Wie sich herausstellt alles, was man für ein Frühstück braucht: verschiedene Sandwiches und etliche Sorten Kaffee stehen zur Auswahl. Unsere Wahl fällt auf Baguette mit Köttbullar. Eine kleine Sitzecke mit Tisch und Stühlen ist auch vorhanden.
Um nicht wieder auf die Autobahn zu müssen, haben wir die Strecke in Richtung Norden neu überdacht. Wir bleiben zunächst auf der Landstraße 165 und schwenken dann auf der 164 nach Osten ins schwedische Inland. Im Süden von Schweden sieht man rechts und links der Straße noch landwirtschaftliche Flächen. Je weiter man nach Norden kommt, um so baumreicher wird die Landschaft.

See

Die 172 bringt uns schließlich in nördlicher Richtung bis Charlottenberg - kurz vor der norwegischen Grenze. Dort gibt es ein großes Einkaufszentrum und natürlich noch eine Tankstelle auf schwedischer Seite, wo der benötigte Saft für die Motoren günstiger ist (15 SEK = 1,35 Euro) als in Norwegen. Wir wollen allerdings nicht stundenlang in einer Schlange stehen und fahren weiter. Später tanken wir in Norwegen den Liter Super für 22 Kronen. Bei einem Wechselkurs von 0,084 sind das 1,85 Euro pro Liter.
Michael und ich würden uns nicht gerade als Befürworter der Bargeldlosigkeit bezeichnen, doch hier hat die Zahlung mit Scheckkarte auch ihre Vorteile - zum Beispiel an der Tankstelle. Nahezu alle Tankstellen sind mit dieser Bezahlmöglichkeit ausgestattet. Am Terminal kann man meistens auch die Sprache wechseln, um den Anweisungen auf dem Bildschirm zu folgen. Scheckkarte einführen, PIN eingeben, Säulennummer oder Kraftstoffart auswählen, Karte entnehmen und Tanken - fertig. Anschließend wird auf Wunsch auch noch die Quittung ausgedruckt. Wenn man das ein paar Mal gemacht hat, muss man auch nicht mehr zwingend die Bildschirmsprache wechseln.
Es ist gerade Mittagszeit, da bietet sich ein vollwertiges Mittagessen mit Kartoffeln, Fleisch, Salat und einem Getränk doch förmlich an. Das gibt es hier gleich neben der Tankstelle, nennt sich dort allerdings "Kebap-Menü". Hat auf jeden Fall gut geschmeckt und satt gemacht.
Bevor es weitergeht, montiere ich die Aktion-Kamera und aktiviere deren Fernbedienung. Da die Fernbedienung nicht wasserdicht ist, lege ich sie unter die Klarsichthülle des Tankrucksacks. So lassen sich die Knöpfe noch gut bedienen. Leider ist die Kontrollleuchte sehr klein, die anzeigt, ob gefilmt wird oder nicht.



Bei leicht bewölktem, aber blauem Himmel genießen wir die Fahrt mit einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von meist 80 km/h.



Übernachten werden wir in einer Hütte von Tyra Camping in Tronnes (50 Euro). Schon an dem kleinen Geschäft steht auf einem Schild: "Rezeption im Laden". Man spricht deutsch - weil man es laut der Betreiberin in der Schule als zweite Fremdsprache gelernt hatte.

Sportplatz



Die Anlage ist sehr gepflegt und hat außer Hütten auch noch etliche Stellplätze. Alle Annehmlichkeiten des Platzes sind im Preis inbegriffen, wie Dusche, Gemeinschaftsküche, Waschräume etc. Hinter unserer Hütte rauscht ein Gebirgsbach zu Tal. Das gleichmäßige Geräusch stört aber nicht weiter. Für den nahe gelegenen Fluss Glama kann man sich auf dem Platz auch Kanus mieten.

Abendessen

Abendessen gibt es in Form von Butterbroten - allerdings ohne Butter (die hätte sich bei dem Wetter schon längst verflüssigt) - von einer Bank-Tisch-Kombination vor der Hütte. Die Sonne hat noch ordentlich Kraft und brennt auf den Rücken. Die Gelegenheit für eine erste Wäsche der Funktionsunterwäsche. Vor dem Zubettgehen ist sie schon wieder trocken.
Tagesetappe: 452 km

Mittwoch, 9. Juli 2025
Am Himmel hängen noch weiße Wolken vor blauem Hintergrund, aber die tun nichts. Wir bleiben auf der 3 in Richtung Nordwesten. 17 Kilometer später staunen wir nicht schlecht. Auf unseren etlichen Fahrten durch Skandinavien haben wir noch nie einen ausgewachsenen Elch gesehen. Hier steht direkt neben der Straße an dem Rastplatz Bjøråa der größte Elch der Welt (externe Internetseite). Er ist 10,1 Meter hoch und aus poliertem Stahl.
Die 3 bietet aber auch noch andere Sehenswürdigkeiten - nämlich uns auf unseren Motorrädern, betrachtet durch die Radarpistole der norwegischen Polizei. Die haben uns im Visier, wir sind völlig ahnungslos. Zum Glück werden wir auf dieser langen Geraden zuerst von einem Motorradfahrer vorgewarnt und dann noch einmal per Lichthupe von einem LKW-Fahrer. Mit den Strafen für zu schnelles Fahren ist hier nicht zu spaßen. Das fängt mit 120 Euro an - für 5 km/h zu schnell. 10 km/h zu schnell kosten dann schon 325 Euro, 15 km/h zu schnell 580 Euro usw. - da ist die Urlaubskasse schon leer, bevor es richtig losgeht. In Ulsberg erreichen wir schließlich wieder die E6.
Die Straße schlängelt sich oftmals am Wasser entlang. Leider bekommt man die Seen oder Flüsse neben der Straße nur selten zu sehen - dazu reichen schon ein bis zwei Baumreihen aus, um die Sicht zu versperren. Die E6 ist in einem erstaunlich guten Zustand. Wie sagte uns jemand: "Die E6 ist keine Touristenstraße, sie ist für den Schwerlastverkehr gebaut, um den Norden zu versorgen." Das zulässige Gesamtgewicht für LKW liegt in Norwegen in der Regel bei 50 Tonnen. Auf bestimmten Strecken und für bestimmte Fahrzeugkombinationen sind bis zu 60 Tonnen erlaubt. Und hier fahren auch die sogenannten Lang-LKW, die bis 25 Meter lang sind.
Es gibt natürlich auch mal längere Baustellen mit einspuriger Verkehrsführung, in denen zum Teil Pilot-Cars vorausfahren und der Fahrzeugschlange den Weg durch die Baustelle vorgeben. Erste Tunnel liegen auf unserer Strecke. Sie sind durchgehend beleuchtet und oftmals sind auch die Wände weiß gestrichen. Als wir 2001 das erste Mal hier unterwegs waren, konnte es auch mal zappenduster werden, wenn man in einen unbeleuchteten Tunnel eingefahren ist und das Licht des Scheinwerfers von der Dunkelheit und einer womöglich nassen Straße geschluckt wurde.

Fahrradfahrer

In Steinkjer ist es mal wieder an der Zeit, sich in einem Supermarkt abzukühlen. Michael hat draußen in der Zwischenzeit interessante Gesprächspartner gefunden. Heute ist es ein Fahrradfahrer, der über Polen und das Baltikum nach Finnland gefahren ist, durch Finnland zum Nordkap und jetzt ist er wieder auf dem Weg nach Süden. Da er noch Zeit hat, möchte er in Göteborg ein paar Tage mit seiner Freundin verbringen und dann noch durch Frankreich und Portugal bis an die Südspitze von Europa radeln. Erst danach geht es für ihn langsam wieder zurück nach Deutschland.
Zwei andere deutsche Radfahrer haben sich hier für 100 Euro ein paar alte Fahrräder gekauft. Damit wollen sie verschiedene Seen abradeln, um darin zu angeln. Später werden sie die Räder wahrscheinlich irgendwo stehenlassen.

Verladerampe

Als Platz für eine Mittagspause bietet sich heute neben einer Tankstelle die Verladerampe an einem Nebengebäude an.
Je weiter wir nach Norden fahren, um so blauer wird der Himmel. Entsprechend steigt auch die Temperatur des Fahrtwindes.

Vegsetcampin

Unser Zuhause wird für heute eine Hütte direkt am Wasser auf dem Gelände "Vegset Camping und Café" (75 Euro). Da es lange hell bleibt, waschen wir wieder die durchgeschwitzten Sachen und legen sie zum Trocknen auf die Motorräder.



Tagesetappe: 448 km

Donnerstag, 10. Juli 2025
Bei strahlend blauem Himmel geht die Fahrt weiter. Uns kommen einige offene Oldtimer entgegen. Später sehen wir auch ein dazu passendes Plakat von einem Oldtimertreffen.

North Norge

Nördlich von Namsskogan erreichen wir das Eingangstor zu "Nord Norge", das ein schönes Fotomotiv abgibt. Ein Kiosk und ein Souvenirshop laden zu einem kurzen Stopp ein. Dies ist allerdings noch nicht der Polarkreis!
Ca. 5 Kilometer hinter Majavatn zweigt eine Zubringerstraße zur 73 rechts ab. Die 73 bietet sich hier als Parallelstrecke zur E6 an. Am Horizont tauchen jetzt immer wieder Berge mit Schneeresten auf. Die Strecke ist durchweg einspurig und hat Ausbeulungen zur Seite, um bei Gegenverkehr ausweichen zu können. Die Strecke scheint aber auch für Sportler interessant zu sein. Es kommen uns immer wieder Läufer mit bloßem Oberkörper entgegen.

Packtaschentisch

Mittagessen gibt es heute vom Stehtisch - eine Packtasche an Michaels Motorrad muss dafür herhalten. Auf dem Speiseplan stehen auch frisch geschnittene Paprikastreifen, die geschmacklich zu einem Salamibrot immer perfekt passen.

Tisch

Wie es oftmals so ist, ein paar Kilometer weiter hätten wir auch an einem richtigen Tisch Platz nehmen können.

Himmel

Die zerrissenen weißen Wolkenfetzen am blauem Himmel sehen fast wie Nordlicht am Tage aus.
Auf Strecken abseits der E6 sind Tankstellen nicht so reichlich vorhanden. Man sollte seinen Tageskilometerzähler im Auge behalten und Tankmöglichkeiten nutzen, bevor die Reserve benötigt wird. In Hattfjelldal tanken wir voll und füllen unsere Vorräte im nahegelegenen Supermarkt auf. Auf dem Parkplatz interessiert sich ein junger Mann für unsere Motorräder. Mit Blick auf Michaels GS 1200 meint er: "So eine BMW fährt ein Freund von mir auch. Er hat eine 1150er, aber eine GS 80 habe ich noch nie gesehen." Ich nenne ihm das Baujahr 1992 und er meint: "Dann liegt es wohl daran. Ich bin Baujahr 1994."



Wir fahren ein kurzes Stück zurück und verlassen dann die 73, um dem Villmarksveien in Richtung Norden zu folgen. Noch vor Mo i Rana biegen wir wieder nach rechts auf die E6 ein, die kurz danach wieder malerisch am Wasser entlangläuft.

Polarkreis

Seit wir den Torbogen zu Nord Norge durchfahren haben, sind schon wieder 265 Kilometer mehr auf dem Tacho. Und dann ist er plötzlich da - der Polarkreis mit dem Arctic Circle Center. Der runde Kuppelbau ist schon von weitem zu sehen. Wir stellen die Motorräder ab und gehen shoppen. Ein T-Shirt und ein paar Aufkleber wechseln die Besitzer.

Ducati

Draußen steht inzwischen eine rote Ducati mit Packtaschen neben unseren BMWs. Der junge Fahrer staunt über die Aufkleber auf Michaels Packtaschen. "Da seid ihr überall schon gewesen?", fragt er ungläubig und deutet dabei auf den Namibia-Aufkleber. Aber auch er hat schon einige Kilometer hinter sich. Auf seinem Kennzeichen ist ein "I" zu sehen. Michael fragt ihn, wie weit er denn von zuhause weg sei? 4.000 Kilometer bekommt er zur Antwort. Und bis er wieder zuhause sei, werde er wohl die 10.000 Kilometer locker voll bekommen. In dieser eindrucksvollen Tundralandschaft macht das Biken auch richtig Spaß!



Am Ende des Tages wartet eine interessante Übernachtungsmöglichkeit in Nordnes auf uns. Schon die Rezeption in ihrem Kuppelbau mit Grasdach ist sehenswert. Wir buchen eine Hütte für 76 Euro. Als wir die Motorräder davor abstellen, wundern wir uns, wie dicht der vermeintliche Nachbar seinen Wohnwagen hinter dieser Hütte geparkt hat. Als wir die Hütte betreten, staunen wir zunächst nicht schlecht: in dem Raum steht nur ein Kühlschrank und eine Couchgarnitur. Dann entdecken wir noch eine Tür in der Rückwand der Hütte. Sie führt in den besagten Wohnwagen, der als Schlafraum dient. Michael richtet sich auf der Couchgarnitur ein und ich beziehe das Wohnwagenbett.


Abendbrot

Wir waschen wieder einige Sachen und spannen eine Wäscheleine zwischen Motorrad und Hütte. Morgen früh wird alles trocken sein. Abendbrot gibt es in einer kleinen Sitzecke vor der Hütte.
Tagesetappe: 450 km

Freitag, 11. Juli 2025
Über Nacht hat sich der Himmel zugezogen. Am frühen Morgen sind Regentropfen auf dem Wohnwagendach zu hören. Schnell nach draußen und die Wäscheleine "abernten".
Ich schlüpfe nach dem Frühstück gleich in den gelben Regenanzug. Über nasse Straßen geht es auf der E6 weiter. Im Laufe des Vormittags klart sich der Himmel aber weiter auf und die Straßen trocknen mehr und mehr ab. Immer wieder geht es dicht am Wasser entlang und in der Ferne sind auch schon mal schneebedeckte Berge zu sehen.
Beim Blick auf die "digitale Landkarte" ist plötzlich nichts mehr zu sehen - der Bildschirm des Navis ist schwarz. Das weckt bei mir sofort mulmige Erinnerungen an unsere Route-66-Tour in 2010. Bei der Anfahrt auf Las Vegas hatten wir teilweise 50 Grad Außentemperatur. Damals fiel später in Los Angeles zuerst das Navi aus und später bliebt der Motor stehen, weil die Batterie leer war. Einige Drähte am Lichtmaschinenanker hatten sich bei der Hitze losgelöst. Somit hatte die Lichtmaschine ihre Stromproduktion eingestellt.
Bei der nächsten Tunneldurchfahrt fällt mir auf, dass auf dem Bildschirm doch noch ein ganz schwaches Bild zu sehen ist. Wir halten auf dem nächsten Parkplatz, um das Problem zu besprechen. Dabei stellt sich heraus, dass bei Michaels Navi der Bildschirm ebenfalls schwarz ist. Die Einstellung im Navi unter dem Menüpunkt "Anzeige: Tag, Nacht oder Automatisch" hat sich selbständig verändert. Wir wählen beide die Einstellung "Tag" und damit ist das Problem erst mal behoben.
Wir erreichen den Fährhafen von Bognes. Um auf der E6 weiterzufahren, müssten wir die Fähre nach Skarberget nehmen. Wir wollen allerdings die E6 mal wieder verlassen und setzen auf die Lofoten nach Lödingen über. Leider fährt die Fähre gerade ab, als wir im Hafen ankommen. Die Wartezeit von einer Stunde überbrücken wir mit unserer Mittagspause.
Ein italienischer Motorradfahrer gesellt sich zu uns. Auf der Fähre helfen wir ihm noch beim Anseilen seines Motorrades mit einem Spanngurt.
Die gut 20 Kilometer lange Überfahrt dauert ca. eine Stunde und findet zum Glück bei ruhiger See statt. 2003 waren wir bei solch einer Gelegenheit nicht so entspannt. Michael schrieb damals in sein Tagebuch: "Auf den Lofoten regnet es und wir nehmen um 10.15 Uhr die Fähre nach Bodø. Starker Wind peitscht über die See und der Kahn schaukelt wie verrückt. Zu Anfang finde ich es noch ganz lustig. Später lege ich mich auf eine Bank an Deck und traue mich nicht mehr aufzustehen. Mein Magen rebelliert. Als es zu regnen beginnt, gehen wir kurz unter Deck, flüchten aber gleich wieder nach draußen. Dort drinnen hätten wir bestimmt alles vollgekotzt. Also lege ich mich wieder auf meine Bank und warte bis alles vorbei ist. Ich friere, traue mich aber nicht, mich zu rühren. Der Kahn schaukelt dermaßen, dass ich fast von der Bank falle. Diddi steht nun schon seit Stunden an einem Pfeiler und schaut aufs weite Meer. Seine Art von Stressbewältigung. So viel Spaß für 205 Kronen."
Im Hafen von Lödingen erwarten uns tiefhängende Wolken und Nieselregen. Wir tanken zunächst voll und schauen uns nach einer Unterkunft um.
Bei der ersten Adresse, die wir anfahren, stellt sich vorort heraus, das man diese wohl im Internet buchen muss und dann einen Zahlencode für das Türschloss bekommt. Wir versuchen es noch bei einem Motel im Hafen, doch hier ist man "fully booked".
Michael sucht in seinem Navi nach einem Campingplatz und fragt telefonisch nach einer Hütte. Eine Hütte sei nicht mehr frei, doch man könne uns zwei Einzelzimmer für insgesamt 118 Euro anbieten. Das wollen wir uns genauer ansehen und willigen ein.
Wir werden ab Lödingen ja sowieso auf der E10 in Richtung Norden weiterfahren, jetzt jedoch zunächst in die entgegengesetzte Richtung. Mehrere Baustellen liegen auf dem Weg und die Sache mit der "grünen Welle" scheint nicht richtig zu funktionieren. Vor einer roten Ampel kommt es dann bei meiner GS 80 zu einem kleinen Problem, das später noch größere Kreise ziehen sollte. Die Ampel springt auf Grün, ich drücke den Starterknopf, der Anlasser dreht den Motor durch, aber es gibt anscheinend keinen Zündfunken. Nach mehreren etwas hektischen Versuchen springt der Motor wieder an und läuft anschließend gut wie gewohnt.
Die "Einzelzimmer" entpuppen sich als Abteile in einem Gebäude aus Schlafcontainern für Bauarbeiter mit je einem Einzelbett, aber auch mit eigener Dusche und Toilette. Für uns völlig o.k. - besonders bei diesem ungemütlichen Wetter.
Tagesetappe: 244 km (ohne die Seereise)